Alte Welt, Neue Welt im NOER

Wie dem Foto zu entnehmen, bin ich einen Monat hinterher. Oje… Aber besser spät als nie! Durch kuriose Umstände hatte ich das Vergnügen, Ende letzten Monats an einem Weinabend in der Weinhandlung NOER in Kreuzberg teilzunehmen. Ein Freund hatte mich vor längerem um Tipps für Weinläden gebeten und andere hatte ich ihm das NOR (”Not Only Riesling”) empfohlen. Ein “E” mehr und so kann’s gehen… Dem Freund ist dann kurzfristig noch jemand abhaben gekommen und so kam ich ins Spiel.

Die Weinbranche hat ja manche Eigenart, warum sich gerade hier die koloniale Einteilung in alte und neue Welt gehalten hat, ist mir aber dennoch ein Rätsel. Wobei ich für einen sinnvollen Vergleich zwischen Weinen aus Europa einerseits, Nord- und Südamerika, Neuseeland und Australien andererseits immer zu haben bin. Und den gab es dann auch. Leider sind mir meine Notizen am Ende des Abends abhanden gekommen, zum Glück habe ich aber zwei Flaschen mitgenommen, die mir besonders gut gefallen haben. Dem Abend angemessen kommt der eine aus der “alten”, der andere aus der “neuen” Welt. Da meine Erinnerung zu schwach ist, werde ich nachreichen müssen, was genau mich an diesen beiden Weinen überzeugt hat….

Milch Chardonnay trocken “vom Kalkstein” 2014, ca. 8 Euro. [Link zum Weingut] – Anscheinend war ich schon von dem Vorgänger aus 2011 begeistert.

Johner Pinot Noir Wairarapa 2012, ca. 12 Euro. [Link zum Weingut]

Am Rande der Veranstaltung gab’s schließlich noch einige fun facts zur Schaumweinsteuer. Sehr witzig…

KreuzbergerWein #3 Rheinhessen

Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn ab heute wächst dieser Blog über mich hinaus! Es gibt ja viele schöne Gelegenheiten, Wein zu trinken. Doch eine der schönsten Gelegenheiten ist für mich nun schon seit einigen Jahren eine erstaunlich stabile Runde von Freunden, die sich alle paar Monate zum mehr oder weniger zielstrebigen Weintrinken trifft. Bei unserem letzten Treffen nun haben wir uns überlegt, die Ergebnisse dieser Runden von nun an hier auf diesem Blog festzuhalten. Vor allem, um unserer Erinnerung auf die Beine zu helfen, hoffentlich aber auch zu eurem Amüsement!

Und wir fangen nicht bei Null an! Wie die #3 im Titel schon ankündigt, ist mir beim Durchsehen früherer Posts aufgefallen, dass ich in der Vergangenheit schon zweimal von dieser Runde berichtet habe, das erste Mal von einer denkwürdigen Probe unter dem Motto “13% und mehr”, das zweite Mal über eine ”Kleine Burgund-Probe.“ Der Rausch des hochprozentigen war interessant, doch haben wir uns danach darauf geeinigt, unsere Abende nach Weinregionen auszurichten. Darum Burgund, und zwischendurch, leider nicht dokumentiert, noch eine Reihe weiterer, vor allem deutscher Weinbauregionen.

All dies als lange Einleitung zu dem Bericht von unserer letzten Zusammenkunft, die dem rheinhessischen Wein gewidmet war! Insgesamt haben wir sieben Weine probiert, es folgen die entsprechenden Notizen und die Auswertung vom Tag danach, quasi das Urteil über die Tiefenwirkung des Weins:

image 1.) Gysler Schreurebe 2012, ~10 EuroDaniel: Nase flach, fruchtig, spritzig, doch voll, schöner Abgang. Peter: sehr deutscher, leicht behäbiger, guter Weißwein. Emanuel: hat mir sehr gut gefallen, leichte Süße, sehr süffig Florian: Sehr angenehmer süffiger Wein, wenig spritzig, wenig mineralisch, wirkt weich und rund

image2.) Wittmann Riesling 2012 ~12 Euro — Daniel: volle, fruchtige Nase, zuviel Säure, trinkt sich sehr gut und schnell, bleibt aber leider im Abgang irgendwie nichtssagend, Emanuel: zu sauer 🙂 Florian: sehr spritzig, kaum Abgang, was allein bleibt ist die viele Säure

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3.) Weingut Bäder Riesling Uffhoffener La Roche 2012 ~17 Euro — Daniel: sehr klar strukturiert, guter Riesling, solide, aber dann nicht mehr spannend, Peter: richtig toller Riesling, schöne mineralität, ausgewogene Säure, Emanuel: schöner Riesling. Florian: Typsicher Riesling, wenngleich auch er einen zu kurzen Abgang hat.

4.) Kloster Eberbach Riesling 2012 ~10 Euro – schnelles und einhelliges Urteil: am Anfang kurz spritzig, dann weg und es bleibt nervige Säure, dafür sind 10 Euro ganz schön viel, sehr deutscher Riesling

5.) Pfannenbecker Pfeddersheimer Frühburgunder 2009 ~14 Euro — Daniel & Peter: verhalten in der Nase, leicht rauchig im Mund, trotz 13,5% irgendwie still. Emanuel: sehr komplexe Aromen am Anfang, nach hinten etwas flach. Florian: Sehr angenehmer Wein, starke, insbesondere pfeffrige Aromen, vollmundig

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6.) Weingut Bäder Spätburgunder 2011 ~17 Euro — Daniel: klassischer Spätburgunder, handwerklich sehr gut. In dieser Form aber auch für die Hälfte zu haben. Peter: Preis-Leistungs-Desaster. Florian: Klassischer Spätburgunder, verliert aber gegen den Frühburgunder zuvor. Emanuel: Spätburgunder halt.

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7.) Weingut Thörle Spätburgunder 2010 Hölle ~23 Euro — Zu später droht die Spaltung. Florian & Emanuel: schmeckt mir nicht, für 23 Euro kriege ich einen besseren Franzosen. Daniel & Peter: schon sehr gut, tief, vielschichtig, spannend, weil nicht sehr typisch für einen Spätburgunder.

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Der morgen danach – Daniel: mir geht’s super! Peter: ich hab ‘nen Kopf . Bei der Preisklasse irritierend. Könnte natürlich auch an den vielen Zigaretten liegen… Emanuel: Auch einen sehr dicken kopf und extremen Brand der in keinem Verhältnis um Alkoholkonsum stand.. Florian: Kopfschmerzen vorhanden, wir haben aber auch viel zu wenig Wasser getrunken. Dennoch ein wirklich toller Abend.

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Welcher Wein zu chinesischem Essen? — Gestern Abend wurde ich zu meiner großen Freude zum Abendessen in die “Long March Canteen” ausgeführt. Anders als der Name befürchten lässt, gibt es dort sehr leckeres chinesisches Essen. Mein persönliches Highlight waren scharf gewürzte Jakobsmuscheln auf Seidentofu und Shanghai-Dumplings mit Schweinefleisch, Brühe und Ingwer.

Doch welchen Wein trinkt man zu solchen Speisen? Erfreulicherweise hält die “Kantine” eine recht umfangreiche Auswahl an ganz überwiegend weißen Weinen bereit. Nach Rücksprache mit dem Kellner haben wir uns dann für den abgebildeten Chardonnay “Halbstück” von Wagner-Stempel aus Rheinhessen entschieden (hier ein paar mehr Infos). Ich hatte zunächst zu einem feinherben Riesling tendiert, war dann mit dieser Entscheidung doch sehr zufrieden. Das “Halbstück” war angenehm cremig und erfrischend fruchtig und vermochte es so, sich auch zwischen im Wettstreit mit den intensiven Gewürzen der chinesischen Küche zu behaupten. Eine schöne Kombination von Speis’ und Trank!