KreuzbergWein #8: Viel Loire und ein Kuckucksei

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Eigentlich wollten wir portugiesischen Rotwein trinken. Doch der Weinladen, der uns mit den entsprechenden Weinen versorgen sollte, war am entscheidenden Tag geschlossen. So musste Florian umdisponieren und wir kamen in den Genuss von Rot- und Weißweinen von der Loire. Insgesamt waren wir durchaus angetan, vollkommen umgehauen hat uns aber leider keiner der Weine.

(1) Montlouis ‘Methode traditionelle’ Brut, Domaine Francois Chidaine, 16,90 – Hefige Nase, schöne Säure.

(2) 2013 ‘Granite’ Muscadet de Sèvre et Maine, Domaine de l’Ecu, 13,90 – Wein ohne Eigenschaften, keine Säure, keine Nase, ganz lecker, erfrischend, aber zu teuer.

(3) 2014 Cour-Cheverny ‘Plénitude’, Domaine de Montcy, 17,80 – Schöne Nase, voller Geschmack, erinnert an Sauvignon Blanc, vielschichtig im Abgang, aber doch auch wieder recht “preisintensiv”.

(4) 2014 ‘Reflets’ Fiefs Vendéens Domaine Saint Nicolas, 12,90 – Gut, nicht auffällig, trinkt sich schnell und gefällig.

Das Kuckuksei… Zu fortgeschrittener Stelle und mitten in einer hitzigen Diskussion über die Daseinsberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stellte Florian uns auf die Probe. Zwischen all die feinen Weine schob er einen 2,99-Wein von Aldi dazwischen. Und keiner hat’s gemerkt… Nach kurzem betretenen Schweigen haben wir uns darauf geeinigt, dass der Wein wohl wirklich ein anständiger Supermarktwein gewesen sein muss… Und für die Zukunft mehr Aufmerksamkeit beschworen!

(5) 2010 Cabernet Franc, Touraine, Domaine Le Rocher des Violettes, 9,90 – Schöne Nase, alle zufrieden, als 10-Euro-Wein gut und ein versöhnlicher Abschluss zu später Stunde.

(6) 2011 Saumur Champigny ‘Terres Chaudes’, Domaine des Roches Neuves, 23,80 – leider habe ich dazu keine Notizen mehr…

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Dank an Florian für den Weinkauf, die feine Verköstigung und nicht zuletzt den gelungenen Schabernack!

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KreuzbergerWein #7: Toskana

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Von einer Reise in die Toskana hat Peter diese Weinauswahl mitgebracht. Und nicht nur diese Weine, dazu gab es auch noch eine köstliche Pasta mit Steinpilzen! Und im Gedenken an den Anlass für die Reise waren wir dieses Mal auch wieder in Damenbegleitung versammelt. Peter hat uns eingeladen, darum gibt’s dieses Mal keine Preisangaben. Noch einmal Danke für den schönen Abend, Peter!

(1) Tenuta Monteloro Mezzo Braccio, Toskana IGT 2012 – Ein italienischer Riesling! Nase im Anfang schwefelig, wird besser, als Riesling kaum erkennbar, mehr wie ein Burgunder, kurzer Abgang, ok, “schmeckt wie Hugo ohne Kohlensäure”, also sehr fruchtig, trinkt sich schnell.

(2) Montauto Gessaia, Maremma Toskana DOC – Blanc, schneidet besser ab als der erste Wein, Charakter, vollmundig und cremig im Mund, leicht mineralisch, aber doch recht kurz im Mund, ein Wein wie Nadja Auermann.

(3) Montauto Arcione, Maremma Toskana DOC – 100% Sauvignon Blanc, kuschelig, sehr klar, lecker, aber sowohl im Mund als auch im Abgang schnell weg.

(4) Sassotondo Tuforosso 2014, IGT – Modrig im Geruch, ansonsten unauffällig.

(5) Sassotondo Sovana Rosso Superiore – Der hat Wums und weckt Begeisterung rund um den Tisch Beerige Nase, manche riechen Steinpilz, die 14,5% Alkohol merkt man in der Fülle, schöner Abgang, aber doch deutliche Tannine.

(6) Tommasi Poggio Al Tufo Rompicollo 2013 – Nase wie Likör, weich im Mund, weite Begeisterung, aber auch recht schnell weg.

(7) Tommasi Poggio Al Tufo Alicante 2013 – Tanninig, Florian: ein Wein wie Iris Berben, liegt flach auf der Zunge, René: deine Mutter liegt flach auf der Zunge, Florian: deine Mutter schmeckt tanninig.

(8) Roccaccia Sovana Rosso Superiore – Sehr blumige Nase, sehr gefällig, ein wahrer crowd-pleaser.

KreuzbergerWein #6: Alto Adige & Basilicata

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Eigentlich ist der Ansatz unserer Wein-Runde ja, uns entlang von Regionen die weite Welt des Weins zu erschließen. Ein wenig untypisch war diese Probe darum, weil wir dieses Mal Weine aus zwei Regionen getrunken: “Italien Nord-Süd.” Die Idee dahinter war, die Stärken zweier Regionen in einer Probe zusammenführen, also erst Weißwein aus Südtirol und dann Rotwein aus der Basilicata. Die Weißweine kamen allesamt vom Weingut Hofstätter, die roten vom Weingut Masseria Cardillo. Leider haben uns die Weißweine nicht wirklich überzeugen, dafür aber umso mehr die Weine aus der Basilicata.

(1) Hofstätter Pinot Grigio 2013, 13,5 Euro: Gute Qualität, aber zu wenig speziell für den Preis.

(2) Hofstätter Chardonnay 2013, 13,5 Euro: Sehr fruchtige Nase. Im Geschmack schön schmelzig, ohne unschöne Assoziationen zu Seife zu wecken. Besser als der Pinot Grigio, aber doch auch insgesamt recht zurückgenommen.

(3) Hofstätter De Vite 2012, 14 Euro: Eine Cuvée aus Weißburgunder, Müller Thurgau, Sauvignon und Riesling. Sperrige, “schweißige” Nase. Daniel: geschmacklich ok, aber fällt gegenüber den ersten beiden ab. Emanuel: geht gar nicht! Erschreckend: Dies ist der erste Wein, bei dem mehrere Mitglieder unserer Runde einen Nachschlag verweigern…

(4) Masseria Cardillo “Tittà”, Merlot/Primitivo 2010, 12,5 Euro: “Das ist ein Guter.” Mit 13,5% relativ viel Alkohol, der sich bemerkbar macht, aber nicht stört. Erdig-ehrlich wie ein Primitivo, rund gemacht durch den Merlot.

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(5) Masseria Cardillo “Malandrina”, Merlot/Cabernet 2010, 19,5 Euro: Ein toller Wein, mein Favorit! Eine volle, würzige Nase, kräftig und auf schöne Weise trocken im Geschmack. Ein ehrlicher und harmonischer Wein, und doch alles andere als langweilig.

(6) Masseria Cardillo “Rubra” 2008, 23 Euro: Dieser Wein ist aus den “Aglianico”-Trauben, laut Wikipedia eine sehr alte Rebsorte, die es nur in der Basilicata und in Kampanien gibt. Vielleicht war der Abend schon zu weit fortgeschritten, aber der Wein uns allen gut gefallen hat, hat er uns doch nicht auf die gleiche Weise zugesprochen wie der “Malandrina.” Der Wein war schön, trotz 14% Alkoholgehalt harmonisch, aber vielleicht am Ende doch zu “fremd” für unsere Geschmackserwartungen. Trotzdem ein guter Wein und ein schöner Abschluss dieser Verkostung.

KreuzbergerWein #5: Bordeaux Cru Bourgeois

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Diese Probe hatte einen langen Vorlauf. Im Sommer letzten Jahres waren wir über einen Artikel in der FAS über gestoßen, in dem verschiedene Cru Bourgeois aus dem Bordeaux vorgestellt wurden. Bis jetzt hatten wir Bordeaux immer gemieden; die großen Weingüter waren uns zu teuer und bei den kleineren fehlte uns der Überblick. So kam der FAS-Artikel gerade passend und wir haben einfach die hier vorgeschlagenen Empfehlungen bestellt. Auch interessant war es, in diesem Fall unsere eigenen Eindrücke mit denen der Lange-Brüder abzugleichen.

Unser Gesamteindruck war positiv, keiner der Weine hat uns enttäuscht. Vielleicht hat das insgesamt hohe Niveau aber auch unsere Wahrnehmung verzehrt, denn wahre Begeisterung kam leider auch nicht auf. So offensichtlich hoch die Qualität der Weine war, fehlte uns doch das Besondere, Eigenwillige. Vielleicht hätten wir noch einen weniger gut bewerteten Wein als Kontrast mit aufnehmen sollen… Hier jetzt die Notizen zu den einzelnen Weinen:

(1) Chauteau Haut-Piquat 2011, 14 Euro: Der Einstiegswein war kurzfristig mit ins Spiel gekommen, weil uns einer der ursprünglich bestellten Weine abhanden gekommen war. Obschon nicht auf dem gleichen Niveau wie die anderen, zeichnete sich dieser Wein durch eine schöne Nase und einen klaren, ausgeglichenen Geschmack. Ein guter, aber dann auch einfacher Wein, der zudem im Abgang kaum einen Eindruck hinterließ.

(2) Château Paloumey 2011, ~18 Euro: Auch hier als erster Eindruck eine schöne Nase. Der Geschmack war voll und tief, dabei aber nicht verspielt, sondern sehr direkt. Nach einer Weile und mit ein bisschen Luft noch überzeugender.

(3) Château Rollan de By 2011, ~17 Euro: Mein persönlicher Favorit dieser Verkostung. Tolle, vielversprechende Nase, dann ein wahrlich vollmundiger Geschmack, mit weichen, schönen Tanninen. Und zum Abschluss ein feiner Abgang, der gleich Lust auf mehr macht. Interessant und auch deutlich bemerkbar war, dass dieser Wein den höchsten Merlot-Anteil aller Weine des Abends hatte. 

(4) Château Baudan 2011, ~19 Euro: Rauchig im Geschmack mit schönem Abgang, aber insgesamt nicht so überzeugend wie der Rollan de By. Auch hier war unser Eindruck, dass ein bisschen Zeit im Glas dem Wein gut tat.

(5) Château Haut Breton Larigaudière 2011, ~40 Euro: der teuerste Wein aus dieser Runde hat uns nicht so richtig überzeugt, vielleicht auch gerade gemessen am Preis. Wo die Lange-Brüder das “verspielte Volumen” loben, konnten wir kein Spiel entdecken. Vor allem aber war unser Eindruck, dass die Tannine den Wein noch sehr dominierten. Da klingt es fast ein wenig euphemistisch, wenn es bei der FAS heißt: “Das vollreife, feinkörnige Tannin wird auch noch in einigen Jahren sehr viel Vergnügen bereiten. Ein herrlicher Wein.”…

(6) Château Biston Brillette 2011, ~17 Euro: Immerhin noch ein versöhnlicher Abschluss. Zu später Stunde ein schön schwerer Wein, mit voller Nase und doch auch wieder recht viel Tanninen.

KreuzbergerWein #4: Rhône

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Anbei leider mit etwas Verspätung die Notizen einer sehr schönen Weinprobe, die mittlerweile schon zwei Monate zurückliegt. Ich persönlich war sehr angetan vom Gesamtniveau der Weine an diesem Abend. Leider sind unsere Notizen dieses Mal jedoch recht sparsam – was wohl auch daran liegt, dass wir dieses Mal unter weiblicher Beobachtung getrunken haben…

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1) Bouvet Brut Vintage Cremant de Loire – ok, gleich der erste Wein nicht von der Loire, aber trotzdem ein sehr schöner Einstieg in den Abend

2) Domaine La Baranière Chusclan 2012 (leider ohne Einzel-Foto…)Daniel: komische, zu alkoholische Nase; Florian & Daniel: eher flach, für 7,90 in Ordnung, Abgang sehr kurz

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3) Pierre Amadieu, La Grangeliere, Vacqueyras, 2012Marilén: weihnachtliche Nase, rund

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4) Domaine Le Clos des Cazaux, La Tour Sarrasine, Gigondas, 2010 –  Sabine: schon in der Optik weniger Tiefe; Daniel: erschließt sich erst später; modrig, schlicht
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5) Henri Fessy, Cuvée des Abricotiers, Crozes Hermitage, 2009Daniel: sehr schön, so sollte Rotwein von der Rhône schmecken

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6) Sylvain Fessy, Cuvée Baronne Vincent, Châteauneuf-du-Pape 2007 – allgemeines Wohlwollen, außer bei Sabine und Christina; aus drei Ecken: tomatig, aber Preis doch problematisch; Rieke: sehr gut! Peter: Chateauneaf ist keine Cola!

KreuzbergerWein #3 Rheinhessen

Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn ab heute wächst dieser Blog über mich hinaus! Es gibt ja viele schöne Gelegenheiten, Wein zu trinken. Doch eine der schönsten Gelegenheiten ist für mich nun schon seit einigen Jahren eine erstaunlich stabile Runde von Freunden, die sich alle paar Monate zum mehr oder weniger zielstrebigen Weintrinken trifft. Bei unserem letzten Treffen nun haben wir uns überlegt, die Ergebnisse dieser Runden von nun an hier auf diesem Blog festzuhalten. Vor allem, um unserer Erinnerung auf die Beine zu helfen, hoffentlich aber auch zu eurem Amüsement!

Und wir fangen nicht bei Null an! Wie die #3 im Titel schon ankündigt, ist mir beim Durchsehen früherer Posts aufgefallen, dass ich in der Vergangenheit schon zweimal von dieser Runde berichtet habe, das erste Mal von einer denkwürdigen Probe unter dem Motto “13% und mehr”, das zweite Mal über eine ”Kleine Burgund-Probe.“ Der Rausch des hochprozentigen war interessant, doch haben wir uns danach darauf geeinigt, unsere Abende nach Weinregionen auszurichten. Darum Burgund, und zwischendurch, leider nicht dokumentiert, noch eine Reihe weiterer, vor allem deutscher Weinbauregionen.

All dies als lange Einleitung zu dem Bericht von unserer letzten Zusammenkunft, die dem rheinhessischen Wein gewidmet war! Insgesamt haben wir sieben Weine probiert, es folgen die entsprechenden Notizen und die Auswertung vom Tag danach, quasi das Urteil über die Tiefenwirkung des Weins:

image 1.) Gysler Schreurebe 2012, ~10 EuroDaniel: Nase flach, fruchtig, spritzig, doch voll, schöner Abgang. Peter: sehr deutscher, leicht behäbiger, guter Weißwein. Emanuel: hat mir sehr gut gefallen, leichte Süße, sehr süffig Florian: Sehr angenehmer süffiger Wein, wenig spritzig, wenig mineralisch, wirkt weich und rund

image2.) Wittmann Riesling 2012 ~12 Euro — Daniel: volle, fruchtige Nase, zuviel Säure, trinkt sich sehr gut und schnell, bleibt aber leider im Abgang irgendwie nichtssagend, Emanuel: zu sauer 🙂 Florian: sehr spritzig, kaum Abgang, was allein bleibt ist die viele Säure

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3.) Weingut Bäder Riesling Uffhoffener La Roche 2012 ~17 Euro — Daniel: sehr klar strukturiert, guter Riesling, solide, aber dann nicht mehr spannend, Peter: richtig toller Riesling, schöne mineralität, ausgewogene Säure, Emanuel: schöner Riesling. Florian: Typsicher Riesling, wenngleich auch er einen zu kurzen Abgang hat.

4.) Kloster Eberbach Riesling 2012 ~10 Euro – schnelles und einhelliges Urteil: am Anfang kurz spritzig, dann weg und es bleibt nervige Säure, dafür sind 10 Euro ganz schön viel, sehr deutscher Riesling

5.) Pfannenbecker Pfeddersheimer Frühburgunder 2009 ~14 Euro — Daniel & Peter: verhalten in der Nase, leicht rauchig im Mund, trotz 13,5% irgendwie still. Emanuel: sehr komplexe Aromen am Anfang, nach hinten etwas flach. Florian: Sehr angenehmer Wein, starke, insbesondere pfeffrige Aromen, vollmundig

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6.) Weingut Bäder Spätburgunder 2011 ~17 Euro — Daniel: klassischer Spätburgunder, handwerklich sehr gut. In dieser Form aber auch für die Hälfte zu haben. Peter: Preis-Leistungs-Desaster. Florian: Klassischer Spätburgunder, verliert aber gegen den Frühburgunder zuvor. Emanuel: Spätburgunder halt.

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7.) Weingut Thörle Spätburgunder 2010 Hölle ~23 Euro — Zu später droht die Spaltung. Florian & Emanuel: schmeckt mir nicht, für 23 Euro kriege ich einen besseren Franzosen. Daniel & Peter: schon sehr gut, tief, vielschichtig, spannend, weil nicht sehr typisch für einen Spätburgunder.

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Der morgen danach – Daniel: mir geht’s super! Peter: ich hab ‘nen Kopf . Bei der Preisklasse irritierend. Könnte natürlich auch an den vielen Zigaretten liegen… Emanuel: Auch einen sehr dicken kopf und extremen Brand der in keinem Verhältnis um Alkoholkonsum stand.. Florian: Kopfschmerzen vorhanden, wir haben aber auch viel zu wenig Wasser getrunken. Dennoch ein wirklich toller Abend.

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KreuzbergerWein #2 Kleine Burgund-Probe

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Gestern habe ich mich mal wieder in kleiner, aber höchst bewährter Runde getrofffen, um einen netten Abend zu haben, guten Wein zu trinken und vielleicht dabei auch noch etwas über Wein zu lernen. Dem winterlichen Wetter angemessen haben wir uns für Rotwein entschieden, genauer für den Versuch, uns mal dem Großthema Burgund anzunähern.

Ich habe im Laufe der Jahre schon einige Pinot Noirs aus dem Burgund getrunken, ein bisschen war ich aber ehrlich gesagt auch verschreckt von der Aura, die Pinot Noir aus dem Burgund umgibt. Und in der Tat fängt es ja schon damit an, dass selbst die geographische Orientierung nicht ganz einfach ist…

Obwohl unter fachmännischer Beratung ausgewählt kann man natürlich nicht erwarten, dass vier Weine uns die Weinwelt des Burgund erschließen. Und doch war schon dieser erste kleine Explorationsschritt lehrreich. Die ersten beiden Weine des Abends –  2009 Bourgogne AOC Pinot Noir Vieilles Vignes Les Maladières Domaine Pierre Naigeon und 2009 Maranges AOC Vieilles Vignes Domaine Vincent Bachelet –  entsprachen dem, was ich bisher als Pinot Noir kennengelernt hatte. Helle, eher leichte und auch nur wenig tanninghalte Weine mit angenehm runden Geschmack, allerdings auch ohne allzuviel Nachklang. In gewisser Weise, und das soll weder für die eine noch die andere Seite eine Beleidigung sein, erinnerten mich diese Weine doch sehr stark an deutsche Spätburgunder.

Einen kleinen Aha-Moment gab es dann jedoch beim dritten Wein, dem 2009 Pommard AOC Vieilles Vignes Vincent Girardin. Der Wein war mein persönlicher Favorit, denn hier kam nach meinem Empfinden die Leichtigkeit des Pinot Noir zusammen mit einer Tiefe und Fülle des Geschmacks, die ich so von Pinot Noir noch nicht kannte. Dazu eine schöne Nase und ein langer, sanfter Abgang, was will man mehr!?

Einen weiteren Wein! Der letzte Wein des Abends (ok, der letzte Wein unserer Probe…) war der 2009 Beaune Champs-Pimont 1er Cru AOC Domaine Jacques Prieur. Rein formal war dieser Wein als einziger Premier Cru des Abends natürlich unser Favorit. Und hat in dieser Hinsicht auch nicht enttäuscht. Allerdings war mein Eindruck, dass es für diesen Wein vielleicht noch zu früh war. Obwohl wir ihn etwa 2 Stunden dekantiert hatten, kam er mir noch verschlossen vor. Am deutlichsten trat dies nach meinem Empfinden bei der Nase hervor, die kaum vorhanden war. Aber auch geschmacklich hätte ich den – zugegeben schwer begründbaren – Verdacht, dass der Wein in ein paar Jahren noch mehr zu bieten hat.

Für den Absacker und als Abschluss einen schönen Weinabends sind wir dann noch für einen Moment in den Würgeengel gegangen… Mein Fazit am nächsten Morgen? Insgesamt haben mir alle vier Weine sehr viel Spaß gemacht und meine Neugier geweckt, mich mehr mit dem Mythos Burgund zu beschäftigen! Ich muss einfach mehr und vor allem häufiger Wein trinken!