Abschied von tumblr (II/II): Lieblings-tumblr & Lieblings-Winzer

Im vorigen Post habe ich erklärt, warum ich in Zukunft nicht mehr hier bei tumblr über Wein schreiben will. Um aber positiv zu enden, möchte ich mit einem zweifachen Rückblick enden.

Über die Jahre habe ich hier auf tumblr einige spannende Blogs gefunden. Großartig finde ich die Bilder, und auch die Musikempfehlungen, von susannrack. Ein unerschöpflicher Quell bunt gemischter Kunst ist Kafka’s Apartment. Leider viel zu früh eingeschlafen sind die Opernbesprechungen von berlinoperareview. Sehr gerne gelesen habe ich die Reiseberichte von einsegelvollsommer und big fat greek roadtrip. Und ja, Wein gibt es hier auch, zum Beispiel bei vinepair, vinolucy und corkshrewd.

Und damit gleich zum Wein. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass sich mein Denken über Wein nicht nach einzelnen Weinen, sondern nach Winzern sortiert. Mit wenigen Ausnahmen kann ich mich kaum an einzelne Weine erinnern, wohl aber entsteht irgendwann ein Gesamteindruck von einem Winzer. Nachdem mir das bewusst geworden ist, habe ich mich mal daran gesetzt, eine Liste meiner Lieblings-Winzer zusammenzustellen. Diese werde ich, wie im letzten Post beschrieben, in mein persönliches Kochbuch aufnehmen und über die Jahre immer wieder aktualisieren. Die Liste ist auch noch nicht fertig, es fehlen zum Beispiel noch viele österreichische Winzer. Trotzdem nun nach dem Klick als Abschluss dieses tumblr-Blogs die Liste meiner Lieblings-Winzer:

Australien | u.a. Barossa Valley und McLaren Vale
Penfolds – Dieses Weingut schafft den Spagat, einerseits Weine in großen Mengen für den Supermarkt zu produzieren, und anderseits auch noch sehr gute und besondere Weine in kleinen Mengen. Das erste Mal bewusst wahrgenommen, habe ich Penfolds bei meiner Reise nach Australien mit Leif und Benni 2002. Die Rotweine entsprechen sind fruchtig und voll, ohne unangenehm süß zu werden.

Deutschland | Baden
Salwey – 2007 war ich einmal bei dem Weingut selbst, um Wein für eine größere Weinprobe zu kaufen. Spätestens seitdem bin ich Fan der Weißweine von Salwey, die Rotweine allerdings haben mich noch nicht überzeugt.

Deutschland | Baden
Holger Koch – Ich mag sowohl die Grau- als auch die Weißburgunder sehr gerne.

Deutschland | Mosel
Markus Molitor – Die Rieslinge und auch die Weissburgunder habe ich immer als sehr klar, harmonisch und voll empfunden. Auch die 2008er Zeltinger Sonnenuhr Spätlese fand ich fantastisch.

Deutschland | Pfalz
Hensel – Das Marketing finde ich fast schon zu professionell und dadurch ein bisschen aufringlich, aber die Rotwein-Cuvees sind super und immer noch ziemlich günstig.

Deutschland | Pfalz
von Winning – Bis jetzt habe ich nur die Sauvignon Blancs getrunken, von denen ich allerdings sehr begeistert war.

Deutschland | Rheinhessen
Milch – Ich glaube, ich habe noch keinen Rotwein von diesem Weingut getrunken, aber von dem Chardonnay bin ich seit Jahren begeistert.

Deutschland | Rheinhessen
Wolf-Deiss – Auf Empfehlung des Falstaff hatte ich mir 2015 mal eine Probe-Packung Weißweine von diesem Weingut schicken lassen. Gemessen am Preis fand ich die Qualität sehr gut, vor allem bei den trockenen Weinen. Unkomplizierte und doch schöne Weine für den Alltag.

Deutschland | Rheinhessen
Raumland – Grandioser Sekt. 2015 hatten Peter und ich Gelegenheit, uns bei einer Weinmesse in Berlin von Volker Raumland selbst ein bisschen erklären lassen. Sehr lecker und dabei auch noch sehr bezahlbar ist zum Beispiel der Riesling brut.

Deutschland | Saar
Van Volxem – Kein Geheimtipp, aber doch bin ich immer wieder von den Weißweinen begeistert, von den Rieslingen, aber auch vom Weißburgunder.

Frankreich | Saumur
Bouvet-Ladubay – Mindestens so gut wie Champagner. Neben den Cremants mag ich auch die Perlweine und sogar den “La Petite Bulle Rosé.”

Frankreich | Languedoc
Domaine Clavel – Die Rotweine habe ich noch bei Thomas Kierdorf in Essen kennengelernt. Ausgeglichen, kraftvoll und für mich genau, was ich mir von südfranzösischen Weinen erhoffe.

Italien | Basilikata
Masseria Cardillo – Bei einer Weinrunde mit Peter, Emanuel, Florian und René 2015 haben wir mal einige der Weine getrunken und waren von allen sehr angetan.

Österreich | Steiermark
Tement – Ich kenne nur die Sauvignon Blancs, die für mich aber zu den besten ihrer Art gehören. Unglaublich klar und mit angenehmer Barrique-Note.

Österreich | Neusiedlersee
Kracher – Auch kein Geheimnis und trotzdem: Die Süßweine von Kracher sind wahnsinnig gut.

Spanien | Mallorca
4kilos – Bei einer Verkostung auf Mallorca zu Ehren von Leifs Geburtstag bin ich zum ersten Mal auf den großartigen “12 volts” von diesem Weingut gestoßen. Der Wein ist eine Cuvée, deren Hauptbestandteil (40%) die mallorquinische Rebsorte Callet ausmacht, ergänzt durch Syrah, Cabernet und Merlot.

Spanien | Cava
Juvé y Camps – Wohl kein Geheimtipp unter den Cavas, aber der Wein hat mich doch für sich gewonnen. Vielfältig im Geschmack und das richtige Maß Kohlensäure.

USA | Kalifornien
Hahn Family Wines – Auf dieses Weingut bin ich gestoßen, als ich 2014 in Arizona war. Im Time Market in Tucson habe ich den Pinot Noir von 2013 erstanden und war sehr angetan, weil der Wein die Feinheit von Pinot Noir mit viel Kraft verbunden hat.

Einen guten ersten Eindruck hatte ich außerdem von folgenden Winzern, bei denen ich mich allerdings erst noch ein bisschen eintrinken muss: 

Château Rollan de By (Bordeaux), Constantia Glen (Südafrika), Cortijo de Trifillas “CT” (Spanien), Hexamer (Nahe), Hoffmann-Simon (Mosel), Hummel (Ungarn), Le Clos du Caillou (Rhone), Migliariana (Südafrika), Metzger (Pfalz), Mees (Nahe), Wittmann (Rheinhessen).

Abschied von tumblr (I/II): Goodbye, tumblr! Hello, twitter!

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Die grauen Wintertage des Januars sind eine ideale Gelegenheit, das eigene digitale Dasein zu überdenken. Im März 2012, also vor fast drei Jahren habe ich mit diesem tumblr-Blog begonnen und seitdem 137 Texte, Fotos und Links gepostet. Die Idee für den Blog war einfach, ich wollte ein bisschen intensiver über Wein nachdenken, meine Gedanken mit Gleichgesinnten teilen und nebenbei ein Archiv meiner Weinerlebnisse schaffen. Recht bald kam dann noch die Idee hinzu, die Treffen meiner Kreuzberger Weinrunde zu dokumentieren, die sich mit schöner Regelmäßigkeit nun schon seit über fünf Jahren trifft.

Wenn ich mich jetzt ein bisschen durch die älteren Einträge klicke, kommen viele schöne Erinnerungen auf. Insofern hat der Blog als persönliches Archiv für mich funktioniert. Zuletzt habe ich aber auch ein wachsendes Unbehagen verspürt. Ich glaube, dieses Unbehagen hat mit dem semi-öffentlichen Charakter dieses Blogs zu tun. Der Blog ist mir zu öffentlich, um Privates preiszugeben. Und gleichzeitig ist auch klar, dass kaum jemand liest, was ich hier schreibe. Ich schreibe hier für eine Öffentlichkeit, die es nicht gibt. Tumblr gefällt mir als Plattform immer noch super, aber ich glaube, es ist nicht das richtige für meine Zwecke. Darum habe ich mir überlegt, die Idee von Kiezwein auf andere Weise fortzuführen:
(1) Letztes Jahr habe ich damit angefangen, Rezepte in einem selbstgebastelten Kochbuch zusammenzustellen. Das Kochbuch habe ich meinen Eltern und einigen Freunden zu Weihnachten geschenkt. Über die Jahre soll dieses Kochbuch sich weiter entwickleln. Und von nun an auch eine Wein-Rubrik haben!
(2) Auch in Zukunft fände ich es schön, die Treffen mit unserer Weinrunde zu dokumentieren. Mal gucken, was dafür das geeignete Format sein könnte. Im Moment liebäugele ich mit einer Facebook-Gruppe, mal sehen. In jedem Fall soll es ein geschütztes Format sein, in dem man auch Privates schreiben und Fotos mit Gesichtern aufnehmen kann…
(3) So ganz geht man nie und darum will ich kleine Weineindrücke in Zukunft bei Twitter (@kiezwein) teilen. Und vor allem will ich Twitter nutzen, um mit der digitalen Weinszene in Kontakt zu bleiben. Ich finde es sehr spannend, was sich da in den letzten Jahren alles getan hat und will so weiter dabei bleiben.

Diesen Blog werde ich bis auf weiteres einfach fortbestehen lassen, aber nicht mit neuen Inhalten bestücken. Bevor es wirklich gilt, Abschied zu nehmen, kommt aber noch ein allerletzter Post!

33 Jahre, 33 Freunde, 33 Weine

33 Jahre, eine schöne Schnapszahl und vor allem ein schöner Anlass, sich mit guten Freunde zu treffen. Statt viel Wein von einer Sorte zu kaufen, hatte ich mir überlegt, möglichst viele verschiedene Weine anzubieten. Ein in vielfacher Weise beglückender Abend war es, Notizen zu den Weinen habe ich mir aber keine gemacht…

Hier die Auflistung des Großteils der Weine:

KreuzbergWein #8: Viel Loire und ein Kuckucksei

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Eigentlich wollten wir portugiesischen Rotwein trinken. Doch der Weinladen, der uns mit den entsprechenden Weinen versorgen sollte, war am entscheidenden Tag geschlossen. So musste Florian umdisponieren und wir kamen in den Genuss von Rot- und Weißweinen von der Loire. Insgesamt waren wir durchaus angetan, vollkommen umgehauen hat uns aber leider keiner der Weine.

(1) Montlouis ‘Methode traditionelle’ Brut, Domaine Francois Chidaine, 16,90 – Hefige Nase, schöne Säure.

(2) 2013 ‘Granite’ Muscadet de Sèvre et Maine, Domaine de l’Ecu, 13,90 – Wein ohne Eigenschaften, keine Säure, keine Nase, ganz lecker, erfrischend, aber zu teuer.

(3) 2014 Cour-Cheverny ‘Plénitude’, Domaine de Montcy, 17,80 – Schöne Nase, voller Geschmack, erinnert an Sauvignon Blanc, vielschichtig im Abgang, aber doch auch wieder recht “preisintensiv”.

(4) 2014 ‘Reflets’ Fiefs Vendéens Domaine Saint Nicolas, 12,90 – Gut, nicht auffällig, trinkt sich schnell und gefällig.

Das Kuckuksei… Zu fortgeschrittener Stelle und mitten in einer hitzigen Diskussion über die Daseinsberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stellte Florian uns auf die Probe. Zwischen all die feinen Weine schob er einen 2,99-Wein von Aldi dazwischen. Und keiner hat’s gemerkt… Nach kurzem betretenen Schweigen haben wir uns darauf geeinigt, dass der Wein wohl wirklich ein anständiger Supermarktwein gewesen sein muss… Und für die Zukunft mehr Aufmerksamkeit beschworen!

(5) 2010 Cabernet Franc, Touraine, Domaine Le Rocher des Violettes, 9,90 – Schöne Nase, alle zufrieden, als 10-Euro-Wein gut und ein versöhnlicher Abschluss zu später Stunde.

(6) 2011 Saumur Champigny ‘Terres Chaudes’, Domaine des Roches Neuves, 23,80 – leider habe ich dazu keine Notizen mehr…

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Dank an Florian für den Weinkauf, die feine Verköstigung und nicht zuletzt den gelungenen Schabernack!

KreuzbergerWein #7: Toskana

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Von einer Reise in die Toskana hat Peter diese Weinauswahl mitgebracht. Und nicht nur diese Weine, dazu gab es auch noch eine köstliche Pasta mit Steinpilzen! Und im Gedenken an den Anlass für die Reise waren wir dieses Mal auch wieder in Damenbegleitung versammelt. Peter hat uns eingeladen, darum gibt’s dieses Mal keine Preisangaben. Noch einmal Danke für den schönen Abend, Peter!

(1) Tenuta Monteloro Mezzo Braccio, Toskana IGT 2012 – Ein italienischer Riesling! Nase im Anfang schwefelig, wird besser, als Riesling kaum erkennbar, mehr wie ein Burgunder, kurzer Abgang, ok, “schmeckt wie Hugo ohne Kohlensäure”, also sehr fruchtig, trinkt sich schnell.

(2) Montauto Gessaia, Maremma Toskana DOC – Blanc, schneidet besser ab als der erste Wein, Charakter, vollmundig und cremig im Mund, leicht mineralisch, aber doch recht kurz im Mund, ein Wein wie Nadja Auermann.

(3) Montauto Arcione, Maremma Toskana DOC – 100% Sauvignon Blanc, kuschelig, sehr klar, lecker, aber sowohl im Mund als auch im Abgang schnell weg.

(4) Sassotondo Tuforosso 2014, IGT – Modrig im Geruch, ansonsten unauffällig.

(5) Sassotondo Sovana Rosso Superiore – Der hat Wums und weckt Begeisterung rund um den Tisch Beerige Nase, manche riechen Steinpilz, die 14,5% Alkohol merkt man in der Fülle, schöner Abgang, aber doch deutliche Tannine.

(6) Tommasi Poggio Al Tufo Rompicollo 2013 – Nase wie Likör, weich im Mund, weite Begeisterung, aber auch recht schnell weg.

(7) Tommasi Poggio Al Tufo Alicante 2013 – Tanninig, Florian: ein Wein wie Iris Berben, liegt flach auf der Zunge, René: deine Mutter liegt flach auf der Zunge, Florian: deine Mutter schmeckt tanninig.

(8) Roccaccia Sovana Rosso Superiore – Sehr blumige Nase, sehr gefällig, ein wahrer crowd-pleaser.

Alte Welt, Neue Welt im NOER

Wie dem Foto zu entnehmen, bin ich einen Monat hinterher. Oje… Aber besser spät als nie! Durch kuriose Umstände hatte ich das Vergnügen, Ende letzten Monats an einem Weinabend in der Weinhandlung NOER in Kreuzberg teilzunehmen. Ein Freund hatte mich vor längerem um Tipps für Weinläden gebeten und andere hatte ich ihm das NOR (”Not Only Riesling”) empfohlen. Ein “E” mehr und so kann’s gehen… Dem Freund ist dann kurzfristig noch jemand abhaben gekommen und so kam ich ins Spiel.

Die Weinbranche hat ja manche Eigenart, warum sich gerade hier die koloniale Einteilung in alte und neue Welt gehalten hat, ist mir aber dennoch ein Rätsel. Wobei ich für einen sinnvollen Vergleich zwischen Weinen aus Europa einerseits, Nord- und Südamerika, Neuseeland und Australien andererseits immer zu haben bin. Und den gab es dann auch. Leider sind mir meine Notizen am Ende des Abends abhanden gekommen, zum Glück habe ich aber zwei Flaschen mitgenommen, die mir besonders gut gefallen haben. Dem Abend angemessen kommt der eine aus der “alten”, der andere aus der “neuen” Welt. Da meine Erinnerung zu schwach ist, werde ich nachreichen müssen, was genau mich an diesen beiden Weinen überzeugt hat….

Milch Chardonnay trocken “vom Kalkstein” 2014, ca. 8 Euro. [Link zum Weingut] – Anscheinend war ich schon von dem Vorgänger aus 2011 begeistert.

Johner Pinot Noir Wairarapa 2012, ca. 12 Euro. [Link zum Weingut]

Am Rande der Veranstaltung gab’s schließlich noch einige fun facts zur Schaumweinsteuer. Sehr witzig…

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Durch eine Freundin bin ich auf die Weinbar “Briefmarken-Weine” aufmerksam geworden. Der Name erklärt sich dadurch, dass sich die Bar in einem ehemaligen Briefmarken-Geschäft auf der Karl-Marx-Allee eingerichet hat. Das ehemalige Interieur ist zum Teil erhalten, zum Teil passend ergänzt worden. Wenn ich es richtig verstanden habe, wird die Bar von zwei Italienern betrieben, entsprechend ist auch das Sortiment ausschließlich italienisch. Dafür aber beeindruckend umfangreich und mit einem Preis-Spektrum, das von 15 bis 250 Euro reicht. Dazu gibt es “kleine Speisen” in Form von sehr feinen Antipasti. An dem Abend, als ich dort war, wurden wir von einem der beiden Besitzer kenntnisreich und mit viel Enthusiasmus beraten, was unter anderem in einer Flasche des abgebildeten Nebbiolo mündete. Leider kann ich mich an die Details nicht mehr erinnern, will den Wein aber auf jeden Fall noch mal probieren. Insgesamt ein sehr schönes Konzept für eine Weinbar, die das besondere Ambiente eines klassisch Ost-Berliner Ortes mit italienischem Weingenuss verbindet!