Freundschaft auf den dritten Blick

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Dieser Weißburgunder 2014 von Metzger aus der Pfalz wurde mir als Sommerwein angekündigt, und so präsentiert er sich auf den ersten Blick auch: im Glas ist der Wein sehr hell, fast transparent. Die Nase ist frisch-fruchtig, im Mund ist der Wein klar mit erkennbarer, aber nicht störender Säure, und dann weg. Ich weiß, von einem sommerlichen Wein für gut 7 Euro kann und soll man nicht zuviel verlangen. In entsprechend launiger Gesellschaft bin ich mir sicher, dass sich dieser Wein an einem warmen Sommerabend sehr schnell trinkt… Und doch fand ich den Wein zunächst ein wenig enttäuschend, nicht weil etwas mit dem Wein falsch war, aber weil mir der Geschmack doch zu eindimensional war.

Umso erfreuter war ich dann jedoch, als ich den Wein einen Tag später nochmal im Glas hatte. Die Leichtigkeit und Spritzigkeit war immer noch da, hinzugekommen war jetzt ein vielfältigerer, angenehm leicht mineralischer Eindruck im Mund. Dieser Eindruck verstärkte sich sogar nochmals am zweiten Tag nach dem Kennenlernen und so wurden wir am Ende doch noch Freunde… Ich bin mir nicht sicher, was das zu bedeuten hat, aber es hat mich gefreut, auch einem so vermeintlich einfachen ‘Sommerwein’ noch mehr Tiefe abgewinnen zu können.

KreuzbergerWein #7: über Holland nach Katalonien

Zu selten, aber dafür jetzt schon seit vielen Jahren treffen wir uns in eingeschworener Runde, um dem Wein zu huldigen und nebenbei die großen und kleinen Fragen des Daseins zu klären. Dieses Mal hatten wir dabei Unterstützung: Pim war an diesem Abend unser Ehrengast und hat uns die Weine der Kooperative Olivera aus Katalonien vorgestellt. Ich habe leider vergessen zu fragen, was Pim aus den schönen Niederlanden ins kalte Berlin verschlagen hat, für uns war es aber auf jeden Fall eine Bereicherung. Nebenberuflich importiert Pim immer wieder mal Wein, und so eben auch die Weine dieser katalanischen Kooperative. Schon einige Male war er dort, hat sogar schon selbst im Weinberg mitgearbeitet. Die Kooperative hat einen in vielerlei Hinsicht nachhaltigen Ansatz und bemüht sich insbesondere um die Integration von Menschen mit Behinderungen. Wie schön, dass dabei auch noch so tolle Weine herauskommen!

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(1) Blanc de Serè, 8 Euro — Fruchtig und klar strukturiert sowohl in der Nase als auch im Geschmack. Ein idealer Sommerwein, dem man die 12% kaum anmerkt… Im Abgang flacht der Wein allerdings dann auch schnell ab.

(2) Agaliu 10 Euro — Schön integrierte Tannine, toller Wein, der manch einen von uns an Vanille und Honig denken ließ, Florian gar an Rotwein. Voll im Geschmack, allerdings auch wieder relativ kurz im Abgang. Super Preis-Leistungs-Verhältnis. Nur das blaue Glas der Flasche wirkt ein wenig eigenartig…

(3) Blanc de Marges, 10 Euro— Weniger fruchtig als die ersten zwei Weine, wie der vorherige Wein auch mit stark durchdringenden Tanninen. Peter schmeckt Zitronen, insgesamt gefielen uns die zwei Weine davor aber besser.

(4) Eixaderes, 10/Euro — Ich habe vergessen, ein Foto zu machen, dafür gibt es einen Link. Der Wein hat uns als recht typischer Chardonnay gut gefallen, war aber insgesamt eher unauffällig.

(5) Naltres, 10 Euro — Wir hatten zwischendurch noch einen weiteren Rotwein getrunken, aber leider gibt’s dazu keine Notizen. So kann’s gehen, wenn der Wein in erfreulichen Mengen fließt… Dieser Rotwein jedoch hat uns wieder gut gefallen. Eine sehr volle, vielfältige Nase, gefolgt von einem ebenso vollen und dabei ausgeglichenen Geschmack im Mund. Nicht zuletzt im Vergleich zu den Weißweinen überraschend zurüchaltende Tannine. Für meinen Geschmack jedoch etwas zuviel Kohlensäure.

KreuzbergerWein #6: Alto Adige & Basilicata

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Eigentlich ist der Ansatz unserer Wein-Runde ja, uns entlang von Regionen die weite Welt des Weins zu erschließen. Ein wenig untypisch war diese Probe darum, weil wir dieses Mal Weine aus zwei Regionen getrunken: “Italien Nord-Süd.” Die Idee dahinter war, die Stärken zweier Regionen in einer Probe zusammenführen, also erst Weißwein aus Südtirol und dann Rotwein aus der Basilicata. Die Weißweine kamen allesamt vom Weingut Hofstätter, die roten vom Weingut Masseria Cardillo. Leider haben uns die Weißweine nicht wirklich überzeugen, dafür aber umso mehr die Weine aus der Basilicata.

(1) Hofstätter Pinot Grigio 2013, 13,5 Euro: Gute Qualität, aber zu wenig speziell für den Preis.

(2) Hofstätter Chardonnay 2013, 13,5 Euro: Sehr fruchtige Nase. Im Geschmack schön schmelzig, ohne unschöne Assoziationen zu Seife zu wecken. Besser als der Pinot Grigio, aber doch auch insgesamt recht zurückgenommen.

(3) Hofstätter De Vite 2012, 14 Euro: Eine Cuvée aus Weißburgunder, Müller Thurgau, Sauvignon und Riesling. Sperrige, “schweißige” Nase. Daniel: geschmacklich ok, aber fällt gegenüber den ersten beiden ab. Emanuel: geht gar nicht! Erschreckend: Dies ist der erste Wein, bei dem mehrere Mitglieder unserer Runde einen Nachschlag verweigern…

(4) Masseria Cardillo “Tittà”, Merlot/Primitivo 2010, 12,5 Euro: “Das ist ein Guter.” Mit 13,5% relativ viel Alkohol, der sich bemerkbar macht, aber nicht stört. Erdig-ehrlich wie ein Primitivo, rund gemacht durch den Merlot.

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(5) Masseria Cardillo “Malandrina”, Merlot/Cabernet 2010, 19,5 Euro: Ein toller Wein, mein Favorit! Eine volle, würzige Nase, kräftig und auf schöne Weise trocken im Geschmack. Ein ehrlicher und harmonischer Wein, und doch alles andere als langweilig.

(6) Masseria Cardillo “Rubra” 2008, 23 Euro: Dieser Wein ist aus den “Aglianico”-Trauben, laut Wikipedia eine sehr alte Rebsorte, die es nur in der Basilicata und in Kampanien gibt. Vielleicht war der Abend schon zu weit fortgeschritten, aber der Wein uns allen gut gefallen hat, hat er uns doch nicht auf die gleiche Weise zugesprochen wie der “Malandrina.” Der Wein war schön, trotz 14% Alkoholgehalt harmonisch, aber vielleicht am Ende doch zu “fremd” für unsere Geschmackserwartungen. Trotzdem ein guter Wein und ein schöner Abschluss dieser Verkostung.

KreuzbergerWein #5: Bordeaux Cru Bourgeois

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Diese Probe hatte einen langen Vorlauf. Im Sommer letzten Jahres waren wir über einen Artikel in der FAS über gestoßen, in dem verschiedene Cru Bourgeois aus dem Bordeaux vorgestellt wurden. Bis jetzt hatten wir Bordeaux immer gemieden; die großen Weingüter waren uns zu teuer und bei den kleineren fehlte uns der Überblick. So kam der FAS-Artikel gerade passend und wir haben einfach die hier vorgeschlagenen Empfehlungen bestellt. Auch interessant war es, in diesem Fall unsere eigenen Eindrücke mit denen der Lange-Brüder abzugleichen.

Unser Gesamteindruck war positiv, keiner der Weine hat uns enttäuscht. Vielleicht hat das insgesamt hohe Niveau aber auch unsere Wahrnehmung verzehrt, denn wahre Begeisterung kam leider auch nicht auf. So offensichtlich hoch die Qualität der Weine war, fehlte uns doch das Besondere, Eigenwillige. Vielleicht hätten wir noch einen weniger gut bewerteten Wein als Kontrast mit aufnehmen sollen… Hier jetzt die Notizen zu den einzelnen Weinen:

(1) Chauteau Haut-Piquat 2011, 14 Euro: Der Einstiegswein war kurzfristig mit ins Spiel gekommen, weil uns einer der ursprünglich bestellten Weine abhanden gekommen war. Obschon nicht auf dem gleichen Niveau wie die anderen, zeichnete sich dieser Wein durch eine schöne Nase und einen klaren, ausgeglichenen Geschmack. Ein guter, aber dann auch einfacher Wein, der zudem im Abgang kaum einen Eindruck hinterließ.

(2) Château Paloumey 2011, ~18 Euro: Auch hier als erster Eindruck eine schöne Nase. Der Geschmack war voll und tief, dabei aber nicht verspielt, sondern sehr direkt. Nach einer Weile und mit ein bisschen Luft noch überzeugender.

(3) Château Rollan de By 2011, ~17 Euro: Mein persönlicher Favorit dieser Verkostung. Tolle, vielversprechende Nase, dann ein wahrlich vollmundiger Geschmack, mit weichen, schönen Tanninen. Und zum Abschluss ein feiner Abgang, der gleich Lust auf mehr macht. Interessant und auch deutlich bemerkbar war, dass dieser Wein den höchsten Merlot-Anteil aller Weine des Abends hatte. 

(4) Château Baudan 2011, ~19 Euro: Rauchig im Geschmack mit schönem Abgang, aber insgesamt nicht so überzeugend wie der Rollan de By. Auch hier war unser Eindruck, dass ein bisschen Zeit im Glas dem Wein gut tat.

(5) Château Haut Breton Larigaudière 2011, ~40 Euro: der teuerste Wein aus dieser Runde hat uns nicht so richtig überzeugt, vielleicht auch gerade gemessen am Preis. Wo die Lange-Brüder das “verspielte Volumen” loben, konnten wir kein Spiel entdecken. Vor allem aber war unser Eindruck, dass die Tannine den Wein noch sehr dominierten. Da klingt es fast ein wenig euphemistisch, wenn es bei der FAS heißt: “Das vollreife, feinkörnige Tannin wird auch noch in einigen Jahren sehr viel Vergnügen bereiten. Ein herrlicher Wein.”…

(6) Château Biston Brillette 2011, ~17 Euro: Immerhin noch ein versöhnlicher Abschluss. Zu später Stunde ein schön schwerer Wein, mit voller Nase und doch auch wieder recht viel Tanninen.