Michael Pollan: Cooked

“Zwischen den Jahren” habe ich ein großartiges Buch gelesen: “Cooked,” geschrieben von Michael Pollan. Das Buch ist eine Kombination von klassischem Kochbuch (es gibt auch Rezepte!), Kulturgeschichte des Kochens, Einführung in die Mikrobiologie der Lebensmittelverarbeitung und persönlicher Reflexion. Und es ist auch noch gut geschrieben!

Pollan fasst unter dem Begriff des “Kochens” vier Formen der Zubereitung von Lebensmitteln zusammen: Grillen über Feuer, Kochen mit Wasser, Backen und schließlich Fermentieren. Gemein ist diesen vier Zubereitungsformen, dass sie unsere natürliche Umwelt (inklusive der in ihr lebenden Tiere) auf eine Weise verändern, die sie nahrhafter und zumeist auch schmackhafter werden lässt. Entsprechend lautet auch der Untertitel des Buches “A Natural History of Transformation.”

Je länger man das Buch liest, umso unwahrscheinlicher und gleichzeitig faszinierender wird es, dass Menschen schon vor tausenden von Jahren diese Techniken der Zubereitung von Lebensmitteln entdeckt haben. Im Kern erklärt Pollan dies über die Evolution: Jene Menschen, denen es durch Zufall und Neugier gelungen ist, die Nährstoffe der Umwelt so zu transformieren, dass sie für den Menschen leichter aufzunehmen sind, waren ihren Konkurrenten überlegen und haben sich somit langfristig im evolutionären Wettstreit behaupten können.

“Cooked” ist keine wissenschaftliche Abhandlung und auch kein wirkliches Kochbuch. Wenn man sich für Lebensmittel – und dazu gehört eben auch Wein als Produkt der Fermentation von Früchten – interessiert, bietet das aber eine Reihe von spannenden gedanklichen Anregungen: von der Bedeutung von gemeinsamen Mahlzeiten für den Zusammenhalt in Familien über die gender-Dimension verschiedener Arten des Kochens bis hin zu den mikrobiologischen Schlachten im Inneren eines Käses.

Vor allem aber ist das Buch ein starker Appell, sich aus der Rolle des passiven Konsumenten von vorproduzierten Lebensmitteln zu lösen. Der Kapitalismus lehrt uns, dass wir im Sinne der möglichst effektiven Arbeitsteilung die Zubereitung von Lebensmitteln besser Experten überlassen sollten. Statt selbst ein Brot zu backen, ist es für uns in diesem Sinne rationaler, unsere Arbeitszeit für jene Tätigkeiten zu verwenden, mit denen wir das Geld verdienen, um uns schließlich Brot vom Bäcker zu kaufen. Pollan nun hält dagegen, dass uns diese Arbeitsteilung zunehmend entmündigt und unser Verständnis von Lebensmitteln und deren Zubereitung verkümmern lässt. Und er zeigt auf, dass die eigenhändige Zubereitung von Lebensmitteln, vielleicht auch gerade weil sie sich der Logik ökonomischer Rationalität entzieht, ein besonderes Gefühl von  Unabhängigkeit und sogar Glück schaffen kann.

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